Interview mit Prof. Zeichen - „Ingenieure an die Schalthebel“

Sollte man wirtschaftliche Führungsaufgaben Leuten mit ingenieurs- oder naturwissenschaftlicher Ausbildung überlassen? Prof. Gerfried Zeichen ist davon überzeugt und hat ein Buch darüber geschrieben.

 

Was lernt man eigentlich an einer technischen Universität? Man erprobt den eigenen Verstand an komplizierten Theorien, erarbeitet sich ein Spezialgebiet und lernt, in dieser fachlichen Nische neues Wissen zu erarbeiten. Doch ganz nebenbei, davon ist Prof. Gerfried Zeichen überzeugt, erwirbt man auch Fähigkeiten, die weit über die akademische Forschung hinaus höchst wertvoll sind – gerade in wirtschaftlichen Führungspositionen.

 

Mit seinem Buch „Ingenieure an die Schalthebel“ liefert er ein eindrucksvolles Plädoyer für ein verstärktes Engagement von Ingenieurinnen und Ingenieuren in der Wirtschaft. Zeichen weiß, wovon er spricht: Er war 22 Jahre lang in der Industrie und 28 Jahre in der Wissenschaft tätig. Anlässlich seines 80. Geburtstages findet am 26. September 2014 am Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik (ACIN) der TU Wien ein wissenschaftliches Symposium statt, bei dem der emeritierte TU-Professor sein Buch (erschienen im Linde-Verlag) präsentieren wird.

 

Technik lehrt Komplexproblem-Lösen

 

„In der Wirtschaft hat man ständig mit Zielkonflikten zu tun“, sagt Gerfried Zeichen. „Man muss Kosten, Produktqualität, Marktchancen und viele andere Parameter immer gleichzeitig im Blick behalten. Und genau solche Situationen sind im Ingenieurswesen ganz alltäglich. Wir haben alle gelernt, mit komplizierten Differentialgleichungen und vielen verschiedenen Randbedingungen umzugehen.“

 

Dieses vielseitige Denken beim Erfüllen scheinbar widersprüchlicher Ziele braucht man für das, was Zeichen „nachhaltiges Wirtschaften“ nennt. Er meint das nicht nur im ökologischen, sondern auch im ökonomischen und sozialen Sinn. Wer in Naturwissenschaft und Technik Begeisterung darin gefunden hat, komplizierte Systeme möglichst tiefgehend zu durchschauen, wird in einer wirtschaftlichen Führungsposition nicht bloß auf kurzfristig zurechtgebogene Quartalszahlen blicken, sondern immer auch darüber nachdenken, ob die aktuelle Entwicklung zu den langfristigen Zielen passt.

 

Zeichen spricht vom „kybernetischen Engineering“: Ähnlich wie die Regelungstechnik ständig dafür sorgt, dass maschinelle Abläufe auf dem richtigen Pfad bleiben, muss man auch in der Wirtschaft die aktuelle Situation immer mit der erhofften Entwicklung vergleichen und gegebenenfalls eingreifen. Das ist aber nur möglich, wenn man bereit ist, sich auf das Verstehen komplexer Zusammenhänge einzulassen, und dafür wird man in einer wissenschaftlichen Ausbildung bestens vorbereitet.

 

Nur Mut!

 

Doch warum ist dann die Wirtschaftswelt nicht schon längst durchdrungen von Absolventinnen und Absolventen der technischen Studienrichtungen? Darauf gibt es drei verschiedene Antworten. Erstens: Der Trend geht bereits in diese Richtung, es gibt mehr technisch ausgebildete Entscheidungsträger in der Wirtschaft als man vielleicht glauben würde – in seinem Buch listet Gerfried Zeichen eine lange Reihe von erfolgreichen Beispielen auf. Zweitens: Viele Technikerinnen und Techniker trauen sich Führungspositionen in der Wirtschaft selbst nicht zu – ihnen will Zeichen mit seinem Buch Mut machen und ihr Bewusstsein für den Wert der eigenen Fähigkeiten stärken. Drittens: In der Wirtschaft gibt es leider immer noch gewisse Vorbehalte gegenüber Leuten aus der Technik, die für allzu detailverliebt oder zu wenig sozial kompetent gehalten werden.

 

Zeichen erzählt von einer Diskussion mit einem CEO der Papierindustrie, der beklagte, dass Technikerinnen und Techniker zu wenig Verständnis für Marktgesetze hätten. Zeichen hielt dagegen, dass Leute mit Wirtschaftsausbildung im Gegenzug zu wenig Verständnis für naturwissenschaftliche Gesetze mitbrächten. „Und welche Defizite sind leichter zu beseitigen?“ fragt Zeichen.

 

Ihm selbst ist es jedenfalls sehr gut gelungen, sich zusätzlich zu tiefem Wissen in der Ingenieurswissenschaft das nötige wirtschaftliche Wissen nebenbei anzueignen. Nachdem er von einer Stelle als Universitätsassistent in Graz in die Wirtschaft gewechselt hatte, fand er sich bald ganz unverhofft in einer Führungsposition wieder. Zahlreiche weitere Führungspositionen (u.a. bei Zeiss und Steyr-Daimler-Puch) folgten, doch sein eigentliches Ziel blieb eine Stelle als Universitätsprofessor, die er dann schließlich an der TU Wien bekam. „Für mich war es sehr wichtig, gesehen zu haben, mit welchen Anforderungen meine Studenten später in der Industrie zu tun haben werden, auch das macht einen guten Professor aus“, meint Zeichen.

 

Aus Anlass seines 80. Geburtstags veranstaltet das Institut ACIN der TU Wien, unter der wissenschaftlichen Leitung der Professoren A. Kugi und G. Schitter, am 26. September 2014 um 11.30 Uhr ein Symposium mit aktuellen Themen aus Gerfried Zeichens wissenschaftlichem Arbeitsgebiet. Dabei wird auch Zeichens neues Buch vorgestellt werden.

 

Das Interview mit Em.O.Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Gerfried Zeichen führte Dr. Florian Aigner, Wissenschaftsredakteur an der TU Wien.

Details zum Buch

Mit den Fähigkeiten der "Komplexkönner" zu unternehmerischen Spitzenleistungen. Mit Praxisbeispielen erfolgreicher Führungsarbeit

Mit Technik zum Erfolg

Ein Ingenieur als Führungskraft? Detailverliebtheit, geringes kaufmännisches Verständnis oder mangelnde Sozialkompetenz sind ...

Auch als E-Book erhältlich

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